Seismisches Monitoring

CO₂-Migrationswege

In den letzten Jahren hat die weltweite Besorgnis über Treibhausgasemissionen zu einem erheblichen Interesse an der Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (CCS) als Möglichkeit zur Eindämmung des Klimawandels geführt, mit der sich die vom Menschen verursachten CO₂-Emissionen reduzieren lassen. Dies wird erreicht, indem CO₂ aus Emissionsquellen abgeschieden und aufgefangen und anschließend in den Untergrund injiziert und dort gespeichert wird. CCS erfordert jedoch die sichere Speicherung von CO₂ in geologischen Formationen über einen Zeitraum von mehreren tausend Jahren. Verschiedene geochemische und geophysikalische Verfahren wie z. B. die Zeitraffer-Seismik ermöglichen die Überwachung der regionalen Verteilung von CO₂ im Gasspeicher, der Integrität der Abdichtung und der Druckentwicklung als Reaktion auf die Einleitung und können daher zur Überprüfung der Speicherkondition und als wertvolle Instrumente für die Integritätsüberwachung eingesetzt werden.

Anwendungsbeispiel:
Im Rahmen des von der EU finanzierten DigiMon-Projekts wurde im September 2021 eine CO₂-Injektion im SINTEF Field Lab in Svelvik, Norwegen, mittels seismischer P-Wellen-Tomographie überwacht. Eine Basisuntersuchung bildete den Untergrund ab und zeigte abwechselnde Sand- und Schluffschichten sowie eine dichtere Tonschicht in einer Tiefe von ewta 36 m. Über einen Zeitraum von sechs Tagen wurde CO₂ mit nierdigen Druck in einer Tiefe von ca. 65 m injiziert, wobei tägliche Tomographieuntersuchungen die Ausbreitung des Plumes verfolgten. Die Zeitraffer-Seismikdaten zeigten deutlich die Ansammlung von CO₂ unterhalb der Tonschicht, Bereiche mit Bewegung und Veränderungen in der Konzentration. Diese dynamische Überwachung liefert Echtzeit-Einblicke in die CO₂-Ausbreitung und hilft dabei, bevorzugte Strömungswege zu visualisieren und CCS-Projekte zu optimieren.

CO2 Monitoring

Differenztomogramme zeigen die Entwicklung der CO₂-Verteilung über 6 Tage


Überwachung von Zementinjektionen

Kalkstein und andere Gesteinsarten können im Laufe der Zeit aufgrund von Verwitterung und Karstprozessen Hohlräume und Schwachstellen entwickeln. Diese Instabilitäten können sich auf Bauwerke wie Brückenpfeiler und andere Infrastrukturen auswirken. Durch den Einsatz seismischer Tomographie zur Überwachung von Zementinjektionen können wir beobachten, wie der Untergrund reagiert, und sicherstellen, dass die Stabilität wiederhergestellt und langfristig erhalten bleibt. 

Anwendungsbeispiel:
Bei der geotechnischen Untersuchung einer Eisenbahnbrücke traten Probleme beim Bohren am Brückenwiderlager in der Nähe der Straße auf. In Tiefen von etwa 11 m und 15 m wurden größere Hohlraumstrukturen angetroffen. In unmittelbarer Nähe des Bohrlochs kam es zu Setzungen und zum Transport von lockerem Material in tiefere Hohlräume am Fuß der Böschung, was zu einer Vertiefung direkt am Brückenpfeiler führte. Der Boden wurde mit einer Zementsuspension verfüllt. Die Wirksamkeit der Sanierung wurde anschließend anhand einer Tomographie-Untersuchung vor und nach der Sanierung überprüft.

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Tomogramm vor der Zementinjektion (links), Tomogramm nach der Zementinjektion (Mitte), Unterschiede zwischen links (vor der Injektion) und rechts (nach der Injektion)